Die wunderbare Welt der Ikonen
Ikonen sind im Bereich des östlichen Christentums entstanden, wobei die ältesten erhaltenen Exemplare aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. stammen. Der Grund, warum es nur wenige erhaltene Exemplare aus dieser Zeit gibt, war ein radikaler Bilderverbotserlass des byzantinischen Kaisers Leo III. (gest. 741) der dazu führte, dass damals zahlreiche Stücke zerstört wurden. Erst das 2. Konzil von Nicäa im Jahre 787 hob das Verbot auf, das in einer ostkirchlichen Synode von 843 unter Kaiser Theodora II bestätigt wurde. Seit dieser Zeit sind Ikonen untrennbarer Bestandteil der orthodoxen Frömmigkeit.
Die Ikone „Maria mit dem Jesuskind“ soll vom Evangelisten Lukas gemalt worden sein.
Gottesmutter des Trostes; Italo-kretisch um 1500; Tempera auf Holz.
Von einfachen Menschen, die nicht lesen konnten, wurden Bilder geschätzt, weshalb Ikonen im Bereich der orthodoxen Kirche und Bilderbibeln im Bereich der Westkirche populär waren. Ab dem Jahre 1517 entstand in der Reformationszeit unter Martin Luther ein neuer Bildersturm mit der Absicht, die „Relikte katholischen Aberglaubens“ aus der Welt zu schaffen. Bilder und Heilgenstatuen wurden verkauft oder demoliert. Daher sind bis heute evangelische Kirchen weitgehend völlig bilderlos.
Der Legende nach sollen Ikonen aus den ersten christlichen Gemeinden stammen. Die klassische Ikone „Maria mit dem Jesuskind“ soll sogar vom Evangelisten Lukas gemalt worden sein. Dieser lebte im 1. Jahrhundert nach Christus, war ein griechischer Arzt sowie Begleiter des Apostels Paulus. Er verfasste das Lukasevangelium sowie die Apostelgeschichte.
Dass es in Frankfurt überhaupt ein Ikonen-Museum gibt, ist einer Schenkung des Königsteiner Arztes Dr. Jörgen Schmidt-Voigt (1917–2004) zu verdanken, der im Jahr 1988 der Stadt Frankfurt 800 Ikonen stiftete, die aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen.
Internationale Bekanntheit erreichte der Arzt und Musiker durch die Behandlung prominenter Patienten (u.a. Leonid Breschnew und Jurij Andropow), die ihm zum Dank immer wieder Ikonen schenkten.
Ein kleiner Teil dieser Ikonen ist heute zusammen mit Leihgaben des Berliner Bode-Museums in Frankfurt ausgestellt. Diese sind es wert, näher in Augenschein genommen zu werden, um die unglaublich filigranen Detailarbeiten zu erfassen. So gibt es extrem kleine Beschriftungen zu entdecken, aufwendige Ziselierarbeiten zu bestaunen und lädt die malerische Vollkommenheit der Ikonenmalerei zum längeren Verweilen ein.
Hinweis:
Die großartige Detailarbeit von zwei Ikonen kann per Lupenfunktion ergründet werden. Diese startet, wenn eines der beiden unteren Bilder mit dem Mauszeiger überfahren wird.
-
Besondere Aufmerksamkeit erregt auch das bereits damals vorhandene Wissen, das im Laufe der Zeit einsetzende Verbiegen von Holzplatten durch Einarbeiten von Querstäben abzumildern. Ein Umstand, der das handwerkliche Wissen in Sachen Holzbearbeitung der damaligen Fachleute dokumentiert.
Eine weitere Bearbeitungsmethode, Holz haltbar zu machen, ist die sogenannte Methode von Tschertsch, die seit dem 18. Jahrhundert angewandt wird. Bei dieser Methode wird das bearbeitete Brett in eine Wanne mit 50 Grad Celsius warmem Wasser getaucht. Auf diese Weise gerinnen Eiweißstoffe – die eine Zersetzung des Holzes begünstigen – und dabei austreten.
Anschließend wird das Holz getrocknet und mit Sublimat imprägniert, was zusätzlich Schädlinge vernichtet. Aus diesen Brettern werden dann Stücke in der gewünschten Größe herausgeschnitten und entsprechend bemalt.
Hinweis: Die Lupenfunktion wird durch Überfahren des Ikonenbildes mit dem Mauszeiger gestartet.
-
Es lohnt sich also für kunstgeschichtlich Interessierte, das Ikonenmuseum Frankfurt aufzusuchen, um die vielen Facetten der Ikonenmalerei kennenzulernen. Womöglich wird dabei der Wunsch geweckt, ebenfalls Ikonen zu malen, was unter der Anleitung entsprechender Künstler kein Traum bleiben muss.